30 Jahre und kein bisschen Leise !!!

- Nachlese zum 30-jährigen Bestehen des Bürgerverein Gellep-Stratum e.V. -

Wir befinden uns im Jahr 1975 n. Chr. Ganz Krefeld wird von Bürokraten regiert.
Ganz Krefeld? Nein! Ein von unbeugsamen Bürgern bevölkerter Stadtteil hört nicht auf, dem städtischen Filz Widerstand zu leisten. Ganz wie bei Asterix und Obelix war es auch bei der Gründung des Bürgervereins.

Zum Hintergrund: Durch die Gemeindereform Mitte der siebziger Jahre waren die Bürgerbeiräte abgeschafft worden - das "AUS" für die Mitsprache der Krefelder in der Kommunalpolitik. Doch die Gellep-Stratumer wollten ihre Interessen auch weiterhin selbst vertreten. Aus diesem Grund gründete eine Gruppe von sieben Personen am 17.3.1975 den Bürgerverein Gellep-Stratum e. V. Erste Vorsitzende war Elfriede Kleinheyer, Heinz Theißen ihr Vertreter. Nur ein Jahr später standen bereits 50 Personen auf der Mitgliederliste. Mit 50 Pfennig war der Jahresbeitrag moderat. Die erste Aktion des neu gegründeten Vereins freute vor allem die Jugendlichen: Ein Bolzplatz wurde angelegt - zuerst hinter dem örtlichen Friedhof, später dann an der Gelleper Straße. Zwei- bis dreimal im Jahr traf sich der Bürgerverein nun in der "Rheinschenke", um neue Projekte zu besprechen. Manchmal ging es da richtig hoch her, trotzdem  verstand sich das Gründungsteam prima: "Unsere Zusammenarbeit hat immer sehr gut geklappt, nie gab es Unstimmigkeiten." berichtet Mechthild Franke, die damalige Schriftführerin. Zusammen war man stark und setzte sich u. a. dafür ein, dass die Firmen Bender und Guano nicht mehr so viel Dreck in die Luft pusten durften. Nicht zuletzt durch den ständigen Druck von Seiten des Bürgervereins mussten die alten Firmen-Öfen schließlich ausgetauscht und durch neue, umweltfreundlichere ersetzt werden.

Auch in anderen Bereichen war man erfolgreich. So kämpften die Bewohner von Gellep-Stratum in den 80er Jahren gegen ein Steinkohle-Kraftwerk, dessen Schornstein 50 Meter höher als der Kölner Dom sein sollte. "Ich habe Unterlagen erstellt mit den ganzen Fakten. Die Kühltürme, die Andreaskirche und den Kölner Dom habe ich maßstabgetreu nebeneinander gestellt, damit das ganze Ausmaß des Projektes sichtbar wurde", erzählt Alfons Felzmann, der frühere Geschäftsführer des Vereins. Davon abgeschreckt halfen viele Gellep-Stratumer mit, das Kraftwerk zu verhindern. Ebenso setzte sich der Bürgerverein gegen eine Sondermüll-Verbrennungsanlage im Hafengebiet ein. Heiße Debatten wurden geführt, bis die Pläne vom Tisch waren.
Doch auch Schönes und Amüsantes ereignete sich in den letzen 30 Jahren. Noch heute sprechen die Gründungsmitglieder gerne davon, wie eine fast hundert Jahre alte Urkunde auf dem Feld nahe des Dörkes Hof (Kleutges) ausgebuddelt wurde. "Irgendjemand wusste, dass unter der alten Dorfeiche eine Flasche mit einer Pflanz-Urkunde liegen musste", erzählt Alfons Felzmann, "und da war der Jubel natürlich groß, als wir die Flasche tatsächlich gefunden haben. Das war ein Grund zum Feiern." Da die alte Eiche gefällt werden musste, pflanzte der Bürgerverein eine neue gegenüber der Rheinschenke, neben den Stein zur “Erinnerung an die Zollstation Fegetesch”. Eine Urkunde von der Neupflanzung wurde dazugelegt, und auch die alte Urkunde wurde wieder mit eingegraben.

Seit 1984 leitet Klaus Jagusch nun den Bürgerverein (nach Dieter Nellessen ´81 bis ´84) und wurde gerade erst im Amt bestätigt. Gemeinsam mit dem neu gewählten Team kämpft er weiterhin dafür, dass die Lebensqualität in Gellep-Stratum beständig steigen soll. So sind Themen wie der geplante Bau einer Straße vom Hafen quer durchs Latumer Bruch auch weiterhin ganz oben auf der Liste der zu bekämpfenden Projekte. Ständiger Streitpunkt mit der Stadt ist die Frage, was aus dem Ortsteil Gellep werden soll. Der Bürgerverein ist Sprachrohr der dort lebenden Bürger und vertritt beständig deren Interessen.
Gellep-Stratum im Jahr 2007, das ist eine rege Gemeinde, die sich trotz aller Angriffsversuche durch die Politik nicht unterkriegen lässt. Ganz Gellep-Stratum kämpft auch in Zukunft gegen Bürokratismus und politische Machtspielchen. Dies ist man sich selbst und auch dem römischen Erbe an diesem historischen Ort einfach schuldig.